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Der Vienna City Marathon

10.05.2018

Liebe Gäste, zufällige Leser und Freunde,

jetzt geht es Schlag auf Schlag! Die Tage werden wieder wärmer, die Sonne ist immer öfter zu sehen und man kann dem Schnee beim Verschwinden von den Bergspitzen zuschauen - was mir natürlich am meisten Freude macht! Einmal muss ich noch einen kurzen Blick auf die vergangenen Wochen werfen, dann hoffe ich nur mehr von Bergtouren berichten zu können. Aber am Sonntag, dem 22. April, habe ich den 35. Vienna City Marathon bestritten. Und ja, dieses Mal habe ich meine mir selbst auferlegte Aufgabe (meiner uneingenommenen und unparteiischen Meinung zufolge) ganz passabel erledigt :-)

Ich habe Euch ja im vorigen Jahr schon von meinem Halbmarathon in Graz erzählt - der war ja richtig lustig und schön. Da hat mich doch ein wenig das Lauffieber gepackt, obwohl ich mich noch immer ab und zu richtig schwer motivieren kann zu laufen. Vor allem im Winter. Bei Minusgraden. Und Schneefall. Draußen. Im Wald. Kalt. Eisig. Weah. Nichtsdestotrotz habe ich mir dann im November gedacht: Also im April wäre in Wien ein Jubiläumsmarathon und du wolltest doch immer schon irgendwie schauen, ob du einen Marathon schaffen kannst. Du weißt, 40km gehen schaffst du in gut 6 Stunden, dass heißt du musst gar nicht ganz durchrennen, sondern kannst die Halbmarathonstrecke laufen und dann gemütlich ins Ziel gehen. 

So dachte ich jedenfalls noch im November, aber wie man plant und denkt, kommt es doch sowieso nicht, ich hätte es besser wissen müssen.

Ich habe meine Laufschuhe gepackt, mich durch einige Bücher gequält und versucht irgendwie die Motivation für 42,195km zu finden - zu Beginn noch etwas schleppend, da die Wandersaison noch nicht richtig abgeschlossen war sowie mit dem Gedanken im Hinterkopf "es is ja e no so lang hin"...

Mitte Dezember habe ich mir dann doch meine Gedanken gemacht wie ich das alles schaffen sollte und da ich nicht noch länger planlos durch die Vorbereitungszeit wandeln wollte, habe ich mich dann Ende November mit meiner hier auch schon bekannten Lektorin, ehemaligen Mitbewohnerin, Studien-und Perchtlkollegin, sowie natürlich nicht zu vergessen BGFFL (best gin friend for life ;-) ) uvm. Conny Stiegler zusammengetan, die eine, für meine Zwecke, sehr sehr sehr sehr sehr wichtige und perfekt passende Berufswahl getroffen hat. Dipl. Personal Trainerin und Dipl. Medical Personal Trainerin und Bootcamp Coach und sowieso und überhaupt die Motivatorin Schlechthin. (wenn Ihr auch so einen tollen Coach in Eurem Leben haben wollt schaut einfach mal hier vorbei: www.meconnyme.com )

Sie war dann so nett und hat einen auf mich passenden Trainingsplan zusammengestellt - nicht nur mit Laufeinheiten, sondern natürlich auch Krafttraining (jaja Rumpf ist Trumpf) sowie Dehn-und Bewegungselementen waren enthalten. Meine Ernährungsform (da ich ja Vegetarierin bin) war auch kein Problem und wurde in den Plan miteingebunden. Nach dem ersten Training mit ihr bei mir daheim war mir klar: das kann nur Spaß machen! Und so waren die darauffolgenden Wochen auch gemischt mit viel Schweiß, Motivation von Conny, natürlich manchem kleinem Rückschlag der mich aber nur mehr bestärkte und vielem Lachen. Training kann auch wirklich Spaß machen habe ich erfahren! Gut, manchmal auch nicht, aber die Mischung machts :-)

Viele viele Kilometer später habe ich am Freitag nachmittag meine Laufsachen zusammengepackt, die Motivation und meinen kleinen MP3 Player ebenfalls in die Tasche dazugelegt und bin nach Wien gefahren. Am Samstag Vormittag habe ich mir bei der Messe Wien meine Startunterlagen abgeholt, dann den Tag noch mit einigen lieben lieben Bekannten in Wien verbracht, abends wurde ich noch von 2 meiner Liebsten mit einer Gemüselasagne verwöhnt (Carboloading und so) und danach zurück in die Wohnung.

 

Zieleinlauf

Ich gestehe, ich war die gesamte Woche vorher wirklich nervös - überraschenderweise war diese Nervosität ab dem Platz nehmen im Zug wie weggeblasen. Die Freude auf das Erlebnis war riesig, meine Eltern und Freunde standen (fast) alle hinter mir und haben mich, soweit die Möglichkeiten gegeben waren, unterstützt. Alleine bei dem Großereignis dabei sein zu dürfen war schon unheimlich beeindruckend und auch etwas surreal.

Jedenfalls bin ich Samstag Abend gut gesättigt, nicht nur mit wunderbarem Essen sondern auch schönen Gesprächen, in die Wohnung zurückgekehrt. Nach dem letzten Telefonat mit meinem Coach Conny habe ich mich ins Bett gelegt und wurde genau 8 Stunden später, um 05:30 Uhr von meinem Wecker liebevoll aufgeweckt. Total überrascht, weil ich wunderbar geschlafen hatte und die Zeit so schnell vergangen ist, wurde gefrühstückt. Die letzten Sachen noch zusammengepackt, die Startnummer am T-Shirt angebracht und ab zur U-Bahn und zum Start.

Unmittelbar nach dem Startschuss sind wir begleitet von den Klängen des Donauwalzers über die 864m lange Reichsbrücke gerannt, die Zuschauer haben uns fast hinübergetragen. Die Wettervorhersage hatte bis 30 Grad prophezeit und das war nicht untertrieben. Mit Kappe, Sonnenbrille, kurzer Hose und T-Shirt ausgestattet habe ich jede Wasserstation genützt. Selbst die Zuschauer haben begonnen mit Wasserschläuchen oder Spritzpistolen über die Köpfe der Läufer Wasser zu verteilen, weil es doch recht warm wurde für Mitte April. Die ersten 32 Kilometer gingen wunderbar, die Stimmung war traumhaft und das Laufen ging fast wie von selbst. Dann wurde es etwas anstrengender, die Hitze hat alles gleich doppelt so müde gemacht, meine Motivation war auch etwas hinuntergesackt und die Frage, warum ich mir so etwas überhaupt antue, pochte immer mehr in meinem Hirn. Gerade als ich mich mitten auf die Straße setzten wollte und eigentlich schon mit dem Thema Zieleinlauf abgeschlossen hatte, ist auf einmal aus dem Nichts (soweit man das an einer Laufstrecke mit vielen vielen Zuschauern überhaupt sagen kann) eine mir fremde Dame neben mir her gerannt.

Detail

"Geht scho Kerstin, du schaffst das, es ist nicht mehr weit, des packst a noch" waren die Worte an mich. Ich hab sie zuerst leicht verwirrt angesehen, jedoch hat sie mir irgendwie angesehen, dass ich ein kleines Tief hatte. (Herzlichen Dank nocheinmal dafür, das hat mir viel bedeutet!) Die Motivation hat mich dann doch erreicht und mit neuer Kraft und Energie bin ich die letzten Kilometer ins Ziel gelaufen. 

Als ich, nach dem Zieleinlauf und mit Medaille um meinen Hals, auf die Zielzeit blickte, wollte ich meinen Augen fast nicht trauen. Mein erster Marathon. Es war sooo warm. Ich war "allein" auf der Strecke, da niemand meiner Bekannten, Freunde oder Verwandten Zeit hatte am Sonntag anzufeuern. Der Display zeigte 04:28 Minuten. Gedacht hatte ich, dass ich zirka 5 Stunden brauchen würde. Gewünscht hatte ich mir insgeheim 04:30. Geworden ist es viel besser.

Mit einem riesigem Grinser im Gesicht bin ich mit der Straßenbahn in die Wohnung gefahren und hab mich erst einmal hingesetzt und war komplett überwältigt. Jetzt, einige Wochen später, bin ich immer noch nicht richtig bei mir, es war einfach ein mitreißendes Erlebnis. Klar habe ich nach dem Marathon gesagt "Nie wieder so etwas Irres"..Aber wer weiß? Immerhin gibt es noch schöne Marathonschauplätze auf der ganzen Welt. Venedig oder auch Ljubljana. Wer weiß, wer weiß :-)

Bis dahin wünsche ich Euch wieder einmal eine schöne Woche, bleibt brav und freundlich zueinander - und vor allem: macht was Ihr wollt und wovon alle sagen dass ihr das nie schaffen könnt.

Alles liebe,

Kerstin

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