Schwaigerweg 135 A -8971 Schladming

Ein neuer Versuch

24.08.2017

Die Sonne geht auf

Liebe Gäste, zufällige Leser und Freunde,

vorige Woche sind mein treuer Wandergefährte Dominik und ich den Hochgolling noch einmal angegangen - und was soll ich sagen - mit einem riesengroßen Erfolg. Die, die mich an den Tagen nach dieser wunderbaren, tollen, anstrengenden, lohnenden Tour gesehen haben werden es wahrscheinlich bestätigen - ich habe gegrinst wie ein Honigkuchenpferd und meine freudige Stimmung war fast nicht zu trüben. Jeder der es hören wollte und sicher auch einige die eigentlich kein Interesse daran hatten, habe ich von diesem Erfolgserlebnis erzählt.

Nachdem wir das vorige Mal aufgrund von Schnee beschlossen haben die Tour abzubrechen, hatten wir diesen Versuch wirklich gut geplant. Von allen Seiten abgesichert (alle Hüttenwirte und einige Hubschrauberkollegen vom Bundesheer befragt und auch meinen "Go to Guy" Herrn Fritz gelöchert) hatten wir uns entschlossen nicht auf der Hütte zu schlafen und uns morgens um 4 Uhr bei mir zu treffen um dann unsere Tour zu beginnen.

Gesagt getan.

Die Räder wurden im Kofferraum verstaut, da wir die gut 6km zum Riesachfall Parkplatz nicht zu Fuß retour gehen wollten - das zieht sich nämlich am Ende ganz schön und ab ging die Fahrt ins Untertal. Startpunkt Parkplatz Riesachfall auf 1079m, Startzeit 04:35 Uhr. Mit den Rädern sind wir schnell am Ende der Forststraße angekommen und beginnen den Aufstieg zur Gollinghütte und damit "dem" Giganten meiner bisherigen Wander Karriere. Schnell erreichen wir die Hütte und lassen diese rechts liegen, entlang am Bach geht es in den verträumten Gollingwinkel, und der Blick auf den in der Morgensonne rot leuchtenden Hochgolling lässt mich das erste mal erfürchtig Innehalten.

Geschafft!

Am hinteren Ende führt uns der Steig rechter Hand zuerst über steile Grashänge, dann steinige Stufen empor bis zur Gollingscharte auf 1641m. Die Sonne hat uns schon gefunden und treibt mir, trotz des frischen Windes, jetzt schon die Schweißperlen auf die Stirn. An der Scharte kurz verschnauft und gleich wieder weiter über die Nordwestseite des Berges. Hier ist noch Schatten und somit ist es auch gleich wieder kühler - meine Jacke leistet mir gute Dienste und das Stirnband wird auch ausgepackt.

Immer wieder müssen wir uns mit den Händen am Stein festhalten, es sind kleinere Felsstufen zu überklettern und Rinnen mit Geröll zu überqueren. Als wir die Stelle passieren, die uns das letzte Mal zur Umkehr gezwungen hat, schauen wir uns kurz an, nicken und folgen den Markierungen Richtung Gipfel.

Plötzlich kommen wir zu einer Weggabelung - links würde es über die Scharte und den Nordwestgrat ausgesetzt direkt am Grat entlang zum Gipfel gehen, rechts führt der "Historische Pfad" also der Normalweg, den damals schon Erzherzog Johann gegangen ist, ebenfalls zum Gipfel. Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns aufgrund des kalten, böigen Windes und den doch sehr großen Respekt meiner Begleitung vor der höhe, für den Normalweg. Dieser führt uns über eine mit Stiften versicherte Steilstufe zum Gipfelgrat - der mir den Blick auf das alte, Wind - und Wettergegerbte Gipfelkreuz (2863m) frei gibt.

Die Gefühle, die mich bei diesem "Gipfelsieg" durchflutet haben sind schwer zu beschreiben, ich werde es hier auch gar nicht versuchen, es sei nur folgendes gesagt ( Achtung, jetzt kommt wieder sehr sehr viel Kitsch :-D ): Wenn man etwas schafft, von dem man schon sehr lange geträumt hat, dann erfüllt einen eine unheimliche Freude und Glückseligkeit. Ich bin am Gipfel gesessen, habe in alle Seiten geblickt (man hatte sogar Fernsicht bis zum Triglav) und war einfach nur am Grinsen.

Der Blick in die Unendlichkeit

Nach gut einer halben Stunde haben wir uns, nicht ohne uns in das Gipfelbuch einzutragen und ich habe mir natürlich einen Stempel für mein Wanderbuch geholt, wieder auf den Rückweg begeben. Die 4 Punkt Technik mit Händen und Füßen manche Passagen zu übersteigen, war nötig aber hat gut funktioniert und manchmal hatte man den 5. Punkt auch noch gebraucht - welcher das ist, ist jetzt Eurer Fantasie überlassen ;-)

Es sind uns wieder einige Menschen entgegen gekommen, die den Aufstieg noch vor sich hatten - auch als wir beim Gollingwinkel hinausgewandert sind haben wir noch welche getroffen, die den Hochgolling bezwingen wollten. Da es hier schon kurz vor 12 Uhr Mittags war, hätte ich eigentlich davon abgeraten, aber jeder muss ja schließlich und endlich selbst wissen, was er/sie sich zutrauen kann. Ich für meinen Teil war jedenfalls froh, als wir nach 05:45 Minuten reiner Gehzeit wieder bei unseren Rädern angelangt waren und uns nur mehr talauswärts zum Riesachfall tragen lassen durften.

Mein Fazit: Es war eine unheimlich schöne Tour, mit schönen Gesprächen am Weg aber auch angenehmem Schweigen. Die Strecke geht stetig bergauf - die kurzen Teilstücke, die gerade sind muss man fast suchen, aber die unglaubliche Fernsicht am Gipfel belohnt einen für die Strapazen allemal und dieser Gipfel hat mich sicher nicht das Letzte Mal gesehen (immerhin muss ich noch den Nordwestgrat begehen! ) Ich grinse immer noch, wenn ich an das Gipfelgefühl denke und ich werde sicher noch länger davon zehren. Außerdem hoffe ich, Euch nächste Woche von noch einem "Bucket List" Gipfel erzählen zu können - also bleibt brav und esst alles auf, damit das Wetter schön wird.

Das war's wieder mal für heute, ich wünsche Euch noch eine schöne Restwoche, bleibt freundlich zueinander!

Alles Liebe, Kerstin

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